Über das Leben in einer Gemeinschaftsunterkunft

Das folgende Interview entstand mit einer ehemaligen Bewohnerin einer Göttinger Gemeinschaftsunterkunft. Es wurde gekürzt um die Anonymität zu wahren.

Kannst du einen Tag beschreiben? Was machst du?

[…] Später muss ich wieder kochen, und dafür unten in die Küche gehen. Auch die Toilette und Waschmaschinen sind ganz unten und es gibt dort viel Dreck. […] Und es ist immer viel Stress. Es kommt mehr und mehr Stress. Jetzt wird das Zimmer warm und das ist nicht gut für mein Baby, hier bleiben [deutet auf eine Ameisenstraße, die vom Fenster an der Wand entlang führt]. Es ist schwer, ich habe viel Stress.

[…] kannst du nochmal sagen, was nicht so gut ist oder schwierig ist hier in der Unterkunft? Und was gut ist auch?

Alles hier ist gut, aber das Problem ist, ich bin in der zweiten Etage und für alles muss ich runtergehen. Um zu Kochen, für die Waschmaschine auch. Nur hier [auf dieser Etage] gibt es eine Toilette, aber es gibt viele Probleme. Wenn mein Mann nicht da ist, kann ich mein Baby nicht alleine lassen, weil es zu klein ist. Wenn ich kochen oder waschen gehe, dann brauche ich zwei Stunden, so lange kann ich das Baby nicht alleine lassen, keine Chance. […]

Wenn viele Leute kommen gibt es manchmal auch keinen Platz zum Kochen. Es gibt acht oder sieben Plätze, aber wenn es keinen Platz gibt, musst ich warten und auch später essen. Das ist schwierig.
[…]
Es gibt nur eine Toilette für diese Etage, für 20 Leute oder 25 oder so. Normal ist die Dusche gut, aber manchmal ist es nicht schnell, es kommen nur ein paar Tropfen und du kannst dich nicht richtig waschen. Und mit meinem Baby kann ich dort nicht hingehen, es ist nicht gut, wegen vielen Bakterien, das Baby ist zu klein, keine Chance.

Was würdest du anders machen? Du hast jetzt schon angedeutet, eine eigene Dusche wäre gut.

Ja, oder sieben oder acht Duschen, so etwas. Aber es gibt nur eine Toilette und du musst warten, wenn kein Platz ist. […]

Was würdest du dir wünschen? Was kann man besser machen?

Bessere Hygiene, weil viele Leute putzen nicht. Wenn ich etwas dreckig mache, muss ich putzen, aber viele machen etwas dreckig und gehen einfach, das ist nicht gut. Und später kommen mehr Leute und es wird immer dreckiger. Es kommen zu viele Menschen und dann nur eine Toilette, das ist nicht gut.
[…]
Die Küche ist gut. Da putzen alle […] Nur die Küche ist unten und ich muss dorthin mit Tellern und Topf und allem. Wenn ich etwas vergessen habe, muss ich wieder hochlaufen und es holen, immer hoch und runter.

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